Sechs der Münzen
Sechs der Münzen
Großzügigkeit, Teilen und Gleichgewicht
Die Sechs der Münzen ist die Karte des Gebens und Nehmens. Ein reicher Kaufmann verteilt Münzen an die Armen. Aber es ist keine Einbahnstraße: Es geht um den Kreislauf der Fülle. Wer gibt, empfängt auch. Wer empfängt, sollte dankbar sein.
Einführung
Ein wohlhabender Mann in roter Kleidung (Aktivität) hält eine Waage in der einen Hand und lässt mit der anderen Münzen in die Hände des einen von zwei knienden Bettlern fallen; der zweite wartet noch. Die Waage zeigt, dass er nicht willkürlich gibt, sondern gerecht. Er wägt ab, wer wie viel braucht.
Die Karte thematisiert soziale Unterschiede, Philanthropie und das Gleichgewicht von Macht. Der Reiche hat die Macht zu geben, die Armen haben die Demut zu empfangen. Es ist ein momentaner Zustand – das Rad kann sich drehen.
Bedeutung
Aufrechte Position
Teile, was du hast, und nimm Unterstützung dankbar an – so kehrt Gleichgewicht in den Fluss der Energie zurück.
Klassische Deutung
Geschenke, Gaben, Zuwendung; eine andere Darstellung nennt Aufmerksamkeit, Wachsamkeit; jetzt ist die angenehme Zeit, gegenwärtiger Wohlstand usw.
Quelle: A. E. Waite, The Pictorial Key to the Tarot. London: William Rider & Son, 1911. Teil III, § 2
Übersetzung aus dem Englischen: StarTarot. Waites Bedeutungen sind vollständig wiedergegeben – ohne Kürzungen und ohne Abschwächungen.
Liebe und Beziehungen
Gegenseitige Unterstützung. Ein Partner hilft dem anderen (finanziell oder emotional). Balance zwischen Geben und Nehmen finden. Großzügigkeit gegenüber dem Liebsten.
Karriere und Arbeit
Gehaltserhöhung. Ein Mentor fördert dich. Du bekommst ein Budget bewilligt. Oder: Du hilfst Kollegen und teilst dein Wissen. Fairer Handel.
Finanzen
Geld kommt rein (Geschenk, Prämie) oder du spendest für einen guten Zweck. Kreditzusage.
Karma
Du erntest, was du gesät hast.
Umgekehrte Position
Geben wird zum Machtmittel, Nehmen zur Selbstverständlichkeit – prüfe, welche Bedingungen an Hilfe und Versprechen hängen, und bestehe auf fairem Austausch.
Klassische Deutung
Begierde, Habgier, Neid, Eifersucht, Illusion.
Quelle: A. E. Waite, The Pictorial Key to the Tarot. London: William Rider & Son, 1911. Teil III, § 2
Übersetzung aus dem Englischen: StarTarot. Waites Bedeutungen sind vollständig wiedergegeben – ohne Kürzungen und ohne Abschwächungen.
Die umgekehrte Sechs der Münzen zeigt ein gestörtes Gleichgewicht. Entweder man gibt, um Macht auszuüben („Gönnerhaftigkeit“), oder man nimmt, ohne Danke zu sagen. Vorsicht vor Betrug oder falschen Versprechungen.
Machtmissbrauch
Jemand nutzt deine Abhängigkeit aus. „Gekaufte Zuneigung“.
Finanziell
Kredit abgelehnt. Schlechte Investition. Man wird übervorteilt. Geiz.
Selbstwert
Man fühlt sich als Bittsteller erniedrigt.
Symbolik
Die klassische Szene
Die Waage symbolisiert Gerechtigkeit und das Abwägen („Fairness“). Es ist keine blinde Almosenverteilung, sondern eine bewusste Tat.
Die sechs Münzen schweben am Himmel, als würden sie von oben gesegnet. Der Unterschied in der Kleidung (Reich vs. Arm) verdeutlicht die Hierarchie, die durch das Geben überbrückt (oder zementiert?) wird.
Im Bild finden
Unsere Decks sind stilisiert: Figur, Gegenstände und Hintergrund können anders gezeichnet sein, die Bedeutung der Karte bleibt aber dieselbe.
Marseille-Tarot
Im Marseille-Tarot („Six de Denier“) sind die Münzen in zwei Säulen angeordnet, was Stabilität suggeriert. In der Mitte ist oft eine Blume – das blühende Leben, das durch Austausch entsteht.
Die Sechs der Münzen im Kartenbild
Vergangenheit
Du hast Hilfe erhalten, als du sie brauchtest, oder du warst sehr großzügig. Diese Taten wirken nach.
Gegenwart
Jetzt ist die Zeit des Austauschs. Wenn du hast, gib. Wenn du brauchst, frage. Das Universum will Balance herstellen. Sei fair.
Zukunft
Wohlstand wird geteilt werden. Du wirst in der Lage sein, anderen zu helfen, oder du bekommst die Unterstützung, auf die du hoffst.
Interessante Kombinationen
Tiefer in den Archetyp
Mythologie
Prometheus (bringt den Menschen das Feuer). Sankt Martin. Robin Hood.
Astrologie
Im System des Golden Dawn entspricht diese Karte dem Mond im Stier – dem zweiten Dekanat des Stiers (10°–20°). Der Mond ist im Stier erhöht: Bedürfnisse werden gestillt, Gefühle sind beständig, und Mittel fließen leicht zwischen den Menschen. Der Golden Dawn nennt sie „Herr des materiellen Erfolgs“, und wie der zu- und abnehmende Mond handelt die Karte vom Geben und Nehmen im Wechsel.
Kabbala
Tiphereth (Schönheit/Zentrum) in Assiah. Der harmonische Mittelpunkt der materiellen Welt. Erfolgreicher Ausgleich.
Alchemie
Coagulatio. Die Materie formt sich zum Wohle aller.
Meditation
Stell dir vor, du hast unendlich viel Geld, Liebe und Energie. Wie fühlt es sich an, das zu verteilen? Sieh das Lächeln der Empfänger. Und nun: Stell dir vor, du brauchst Hilfe und jemand gibt sie dir gerne. Kannst du das annehmen?
Frage dich:
- Gebe ich gerne?
- Kann ich Hilfe annehmen, ohne mich klein zu fühlen?
- Ist meine Beziehung ausgeglichen?
- Wo kann ich heute großzügig sein?
Fazit
Die Sechs der Münzen erinnert dich: Niemand ist eine Insel. Wir sind alle verbunden durch das Geben und Nehmen. Sei ein Kanal für die Fülle, kein Staudamm. Was du gibst, kommt zu dir zurück.
Ich gebe mit offenem Herzen und empfange mit Dankbarkeit. Mein Leben ist in Balance.



